Unerhörte Aktion gegen Flüchtlinge

Ob Zeitung, Radio, Fernsehen oder Internet: Jeden Tag werden wir mit neuen, ungeheuerlichen Aktionen gegen Flüchtlingseinrichtungen in unserem Land konfrontiert. Meist passieren diese Taten weit weg und man hofft, dass uns solche Erlebnisse in der Nähe erspart bleiben. Und dann passierte es doch. Bei uns. Hier in Sarnau.

Die Nachricht wurde in der letzten Februarwoche über den Rundfunk verbreitet. Ich selbst erfuhr erst durch einen Anruf der örtlichen Zeitung, was passiert war. Erst einmal hat es mir die Sprache verschlagen. Ich wollte es nicht wahrhaben. Das kann doch nicht sein. Nicht hier bei uns.

Aber es ist wahr: Ein geköpfter und mit blutroter Farbe beschmierter Teddybär wurde vor einer Flüchtlingswohnung abgelegt.

Es ist noch nicht geklärt, welchen Hintergrund diese „Aktion“ hat. Einen guten aber bestimmt nicht.

Man kann geteilter Meinung über die Flüchtlingspolitik unseres Landes sein. Das ist das legitime Recht jeder Bürgerin, jedes Bürgers. Wir können in unserem Land unsere Meinung frei äußern. Darauf dürfen wir stolz sein. Aber dürfen wir Menschen bedrohen, die bei uns Schutz suchen? Dürfen wir Menschen in Angst und Schrecken versetzen, die genau vor diesem Zustand zu uns geflüchtet sind? Ein geköpfter Teddybär ist sicher eine Drohung, und eine besonders perfide dazu, weist sie doch unterschwellig auf die besondere Schutzlosigkeit der Kinder hin. Nein, das darf niemand. Das ist menschenverachtend. Ganz besonders gegenüber Menschen, die gerade erst dem Krieg entflohen sind. Was sie erlebt haben, können wir Tag für Tag im Fernsehen verfolgen.

Wer Menschen bedroht – und da ist erst einmal völlig egal, ob die Menschen auf der Flucht sind oder nicht – der stellt sich außerhalb unserer Gesellschaft und außerhalb unseres Rechts. Dafür haben wir kein Verständnis und kennen keine Rechtfertigung. Das müssen wir absolut deutlich machen, um solchen Aktionen Einhalt zu gebieten.

Bislang ist es uns in Lahntal sehr gut gelungen, die uns zugewiesenen Flüchtlinge unterzubringen und Zug um Zug in unsere Gesellschaft zu integrieren. Dies schaffen wir auch dank des Einsatzes unserer Kirchengemeinden und vieler Freiwilliger in der Flüchtlingshilfe, die sich um unsere neuen Mitbürger kümmern. Das ist ein guter Weg sowohl für die Flüchtlinge als auch für unsere Gemeinde. Von diesem guten Weg sollten wir uns nicht durch Menschen abbringen lassen, deren Weltbild aus Hass besteht. Hass hat noch nie Gutes hervorgebracht.

Lassen Sie uns auf diesem Weg zusammenstehen!